Oliver Guthier

Evangelische Kirchengemeinde Hirschhorn

Die Evangelische Kirche Hirschhorn

Nach dem die alte evangelische Gemeinde im Zuge der Gegenreformation in Hirschhorn untergegangen war und die evangelische Marktkirche zur katholischen Pfarrkirche wurde, wagte man 1880 einen ersten neuen Kirchenbauversuch in Hirschhorn. Der damalige Baumeister verstarb aber nach schwerer Krankheit, bevor der Bau beginnen konnte. Immerhin wurden die Grundstücke 1882 für 2.500 Reichsmark erworben. Diese lagen am Schafsweg direkt an der Stadtmauer. 

1890 wagte man mit Kirchenbaumeister Schwartze aus Mainz einen neuen Versuch. Er schlug vor die Kirche an der Ecke Langenthaler Straße zu bauen, was aber vom Kirchenvorstand abgelehnt wurde. Man wollte die Kirche weiter im Vorderstädtchen haben. Damit sollte den evangelischen Geschäftsleuten Rechnung getragen werden, die teils große Summen für den Bau spendeten. 

Da für einen Bau auf den bisher erworbenen Grundstücken teile der Stadtmauer und ein Haus abgerissen hätten werden müssen, was nicht genehmigt wurde, kaufte man nun neue Grundstücke am Neckar zusammen. 

In der Pfarrchronik lesen wir: „In der Abendstille des 12. Juli 1891 versammelte sich die Gemeinde auf dem Bauplatz, den wir unter Gebet und Gesang seiner zukünftigen Bestimmung weihten. Es war eine erhebende Feier, die alle Herzen zu inbrünstigem Dank gegen den gnädigen Gott stimmte.“

In der folgenden Woche begannen die Erdarbeiten. Am 12.8.1891 erfolgte die Grundsteinlegung. Binnen einem Jahr und drei Monaten wurde die neogotische Kirche fertiggestellt. Sie kostete 60.000 Mark.  Rund ein Drittel davon übernahm das Gustav-Adolf-Werk, Diasporahilfswerk der Evangelischen Landeskirche im Großherzogtum Hessen-Darmstadt. 27.000 Mark wurden als Darlehen aufgenommen. Der Rest wurde durch evangelische Bürger gespendet. Das Gustav-Adolf-Werk wurde durch ein Fenster mit den Bildern von Gustav-Adolf von Schweden und Landgraf Philipp von Hessen geehrt, welche man neben dem Altar sieht. Das gegenüberliegende Fenster zeigt die Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchton. 

Das Hauptfenster zeigt die siegreiche Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus. 

Am 7.11.1892 fand der Weihe-Gottesdienst statt. In einem Gedicht von W. Langheinz zur Einweihung heißt es:

„Sei mir gegrüßt am schönen Neckarstrande, 

Du stattlicher Bau des Herrn, 

Wie schauet dein Thurm hinaus in die Lande, 

Ein Finger Gottes für nah und fern, 

Dein Läuten es rufet ins Herze hinein: „Verzage du nimmer, due Häuflein klein!“ […] 

Wie diese Zinnen gen Himmel nun streben. 

Wie diese Kirche ist fest gebaut: So in all‘ eurem künftigen Leben, Fest und treu auf den Herrn vertraut.“

Bald nach dem Bau neigten sich Turm und Schiff bedrohlich zum Neckar. Die Kirche war zu schwer für den weichen Boden im Schwemmland. So zog man nachträglich mit viel Aufwand ein noch tieferes Fundament unter die Kirche und trennte Turm und Schiff mit einer Dehnungsfuge voneinander. So konnten sie beide Gebäudeteile getrennt voneinander bewegen.

Die Neigungen sind noch heute an den Fenstern auf der Empore zu sehen.

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